Was ist besser? Vinyl oder CD?

Hier mal ein Bericht von jemandem, der die Schallplattenzeit (Vinyl) noch mitbekommen hat.

Vinyl vs CD

Platterspieler und CD-Spieler

Da sitzt du bei einem Geburtstag zusammen und plötzlich vernimmst du eine Art Euphorie gegenüber Vinyl, die du nicht wirklich nachvollziehen kannst. Gut abgehakt.

Und schon stolpere ich über ein Video. Grund genug, mal einen Beitrag zu schreiben. Quasi aus Sicht von jemandem, der wirklich dabei war und sich noch richtige Schallplatten kaufen musste, weil es nichts anderes gab.

Natürlich darf jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln. Gehöre ich doch zu den Leuten, die damals sehr froh darüber waren, als die CD erfunden wurde. Und viele Scheiben, die ich als LP hatte (Langspielplatte – so nannte man Vinyl damals), kaufte ich mir später als CD nach. Schweren Herzens übrigens, denn das Zeug war sauteuer.

Ist ein Oldtimer wirklich die bessere Lösung?

Auch ich schaue gern hin, wenn ein altes Auto an mir vorbeifährt. Aber wollen wir wirklich so eine Schüssel fahren?

Es mag sein, dass ein altes Auto Stil hat. Da gebe ich sicher jedem recht. Meistens wenn die Dinger an mir vorbeifahren, stört mich allerdings schon deren Gestank. Dann fehlt wahrscheinlich die Klimaanlage, die Servolenkung und vielleicht sogar der Bremskraftverstärker. Nennt mich Warmduscher.

Ich mag alte Autos, aber ich kann mich auch an dem erfreuen, was einigermaßen aktuell über die Straßen rollt und muss keine Oldie-Romantik aufbauen, die bei genauerem Hinsehen vielleicht doch nicht so romantisch ist. Und so sehe ich das auch mit Vinyl.

Vinyl hat eindeutig die besseren Covers

Man möge mir vergeben, dass ich Vinyl nicht Vinyl nenne. Für mich waren es meine »Platten«. Langspielplatte nannte man sie in der Werbung, später sprach man dann wie heute auch von Album.

Traumhaft waren die Plattencovers. Einige davon waren echte Kunstwerke. Ein Freund von mir vergrößerte sich das Cover von Joe Jacksons Night And Day und malte es sich an die Zimmerwand. Ich überlegte etwas Ähnliches mit Mike Oldfields Crises. Und irgendwann während meiner Teeniezeit plante ich eine Art Plattencover-Wand.

BAP (eine meiner damaligen Lieblingsbands) hatte im Cover noch ein Heft beigelegt, in dem Wolfgang Niedecken die Songtexte übersetzte und etwas zur Entstehung der einzelnen Titel schrieb. Was für ein billiger Abklatsch ist dagegen das Mini-Booklet, das den CDs beigelegt wurde. Umso mehr, als ich mir viele CDs nachkaufte, die ich auch als LP besaß.

Wenn es eine Sache an der alten Langspielplatte gibt, der ich nachweine, dann sind es diese alten Plattencovers. Auch die Covers anzufassen, die aufgrund ihrer Größe natürlich ganz anders in der Hand lagen – das war ein tolles Erlebnis. Ich hatte mich damals manchmal gefragt, ob es nicht verkaufstechnisch sinnvoll wäre, diese riesigen Plattencovers zu erhalten und die CD darin innerhalb eines Pappumschlags anzubringen.

Ich bin relativ sicher: hätte es diese Option gegeben – einige hätten sich dazu entschieden, die kleinen CDs weiterhin in großen Plattencovers zu kaufen. Es machte einfach Freude, damit zu arbeiten und es war zu allen Zeiten schade, dass sie verschwunden sind.

Bei aller Euphorie über die Plattencovers muss ich aber daran erinnern, was der Kaufgrund einer Schallplatte war: die Musik darauf.

CD mit der Technik der Siebziger ist Vinyl unterlegen

Ja, es ist wohl so. Die CD ist eine Erfindung der Siebziger und ihr Soundspektrum entspricht dem, was damals Stand der Technik war. Gegenüber einer CD kann eine Vinyl-Platte mehr Informationen speichern und bietet daher – zumindest theoretisch – ein breiteres Klangspektrum.

Daraus leiten nun einige Schlaumeier ab, dass so eine alte Platte besser klingt. In meinen Augen ist das eine akademische Frage, die man nur in theoretischer Hinsicht mit Ja beantworten kann.

Hast du denn Boxen, die den Unterschied von Vinyl und CD erlebbar machen?

Wenn du $TOLLE Boxen hast, ist Vinyl also angeblich die richtige Wahl. Hast du denn $TOLLE Boxen? Hast du überhaupt eine Ausrüstung, die es dir erlauben würde, diesen so besseren Sound auch wirklich erlebbar zu machen?

$FRÜHER gab es kein Internet und wir hatten nicht so viel, in das wir unsere Ersparnisse investieren konnten. Also investierten wir zum einen in Musik und zum anderen in die Stereoanlage. Und klarerweise auch in Boxen.

Tut man das heute noch? Oder hast du irgendwo so eine kleine Spaßbox rumstehen, die sicherlich $GUT klingt, aber kaum vergleichbar ist mit dem, was ich früher im Zimmer stehen hatte.

Wenn das bei dir anders ist – Glückwunsch, dann könntest du mit Vinyl einige Hertzbereiche erlebbar machen, bei denen die CD nicht mitkommt. Ich empfehle allerdings ein Testhören, bevor du umsteigst. Denn wenn die CD so Scheiße geklungen hätte, wie so einige Aussagen vermuten lassen, hätte sie sich niemals durchgesetzt.

Erinnern wir uns: Eine LP kostete 15 DM. Eine CD 30 DM. Warum hätte sich also die CD durchsetzen sollen, wenn sie einen so schlechten Sound hätte?

Der Hauptgrund für den Erfolg der CD sind nicht irgendwelche Klangbereiche, sondern …

Das Kreuz mit den Kratzern

CDs können Kratzer bekommen, die hört man aber nicht. Etwa so eine Formulierung verfolgte ich damals mit großen Augen in den Achtzigern in einem Fernsehbericht. Alles kam mir vor wie Krieg der Sterne. Eine glänzende Platte, die zerkratzt sein kann und doch nicht schlechter klingt – wenigstens meistens.

Die Kratzer auf Schallplatten hört man aber sehr wohl. Sobald ich mir eine neue Platte kaufte, nahm ich sie zu allererst auf Kassette auf. Das hatte seinen Grund. Eine kleine Unachtsamkeit und schon hörtest du in deinem Lieblingssong mit sekündlicher Regelmäßigkeit ein Knack, Knack, Knack, Knack, Knack. Das ist mega-nervig.

Oder du leihst eine Platte aus. Damals lieh man gerne Platten aus und man erhielt sie dann mit Kratzer zurück. Das ist doppelt-super-nervig.

Dem begegnete ich wie gesagt mit einer großen Kassettensammlung – 300 Stück waren es am Schluss. Und damit ahnen wir auch schon, dass nicht die Dynamik des Frequenzbereichs den Ausschlag für die Entscheidung für oder wider der Langspielplatte gab – nein, es waren die Nebengeräusche.

Die Qual mit den ruhigen Songs

Eine Sache, die mich wirklich immer angekotzt hat, waren langsame und ruhige Songs.

Wenn du nun glaubst, mit einer neu gekauften LP hättest du vollen Hörgenuss – weit gefehlt. Denn diese Platten luden sich statisch auf und zogen den Staub förmlich an.

Es gab jede Menge Equipment, um den Staub von der Platte zu bekommen. Wie die genau hießen, weiß ich nicht mehr. Es gab sie mit Schaumstoff, es gab Tücher oder Pinsel.

In den Achtzigern setzte sich dann eine Mikrofaserbürste durch, die man senkrecht auf die Platte hielt – und zwar so, dass sie die Rillen fast nicht berührte. Knapp 20 DM gab ich für die erste Version davon aus. Das ist mehr als eine Schallplatte kostete – so wichtig war einem früher das Reduzieren der Nebengeräusche. Einige spielten ihre Platten sogar nass ab.

All das, liebe Unwissenden, führte aber nicht zu einem ungetrübten Hörerlebnis. Nein. Bei lauten oder $NORMALEN Songs mögen die Nebengeräusche weniger gestört haben. Aber was ist mit diesen Schätzchen hier:

  • Brothers In Arms (Dire Straits)
  • Bridge Over Troubled Water (Simon & Garfunkel)
  • Samba Pa Ti (Santana)
  • I’ll Always Love You (Imagination)
  • Blood On The Rooftops (Genesis)
  • I Want Eyes (Level 42)
  • All By Myself (Eric Carmen)
  • Ain’t No Sunshine (Bill Withers)
  • A Whiter Shade Of Pale (Procol Harum)
  • America For Beginners (Latin Quarter)

In mir sind noch sehr frustrierende Erinnerungen aktiv, wenn ich diese Songtitel heute höre. Und ich verzichte gern auf ein paar geringfügige dynamische Stärken von Vinyl, wenn ich diese Songs heute ohne ständige Knisteruntermalung anhören kann.

Knistern ist schön – am Lagerfeuer, aber sonst nervt es einfach nur.

Die Überforderung der LP

Als analoges Medium unterliegt eine LP nicht den gleichen Begrenzungen wie eine CD. Auf die CD geht immer eine bestimmte Anzahl an Musik – 800 MB, wenn ich mich recht erinnere. Bei einer LP hängt es an der Menge der Rillen.

Und wozu lädt das ein? Ich glaube, es waren die Greatest Hits von Simon & Garfunkel. Und meiner Erinnerung nach besonders stark trat das Problem beim Song »The Boxer« auf. Wahrscheinlich hatte man diese Platte zu eng gepresst, um besonders viele Songs draufzubekommen. Dann reichte aber offenbar die Rille der Platte nicht aus, um die volle Soundfülle wiederzugeben. Das Lied endet im Soundbrei.

Auch das gab es bei der LP: dass (möglicherweise aus Geldgeilheit) die Platte zu eng gepresst wurde, damit alles draufpasst – zu Lasten des Sounds.

Fazit

Alles in Allem, liebe Vinylfreunde – bin zumindest ich froh, dass wir diese Plastikscheiben hinter uns gelassen haben. Den Covern trauere ich nach – und das ehrlich. Ich habe auch meine Platten alle noch, auch wenn ich sie nie mehr hören werde.

Das Klangerlebnis, das ewige Knistern, der ewige Ärger, wenn wieder mal eine Platte eine Schramme bekommen hat. Und auch der Mist mit den Diamanten im Plattenspieler. All das mag eine nette Spielerei und eine schöne haptische Erfahrung sein.

Soweit es mich betrifft, bleibe ich gern bei der CD, bzw. heute bei Streamingservices mit wahrscheinlich noch schlechterem Sound. Eine Aufnahme ohne Knistern geht bei mir eindeutig weit über eine Aufnahme mit Störgeräuschen, auch wenn sie sonst eine unschlagbare Qualität haben mag. Wobei, $UNSCHLAGBAR war die LP – also Vinyl – ganz bestimmt nie.

Die LP war und ist ein Oldtimer aus einer Zeit, die wir hinter uns haben. An diese Zeit erinnere ich mich gern. Aber sonst bin ich bei Vinyl raus.

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