Spielregeln für Pokern zu Hause

Wenn man mit Freunden ohne Geld pokern will, sollte man die Regeln etwas abwandeln.

Netter Pokerabend mit Freunden – wie geht das am besten?

Zu Beginn ein paar Tipps fürs Pokern zu Hause

Beim Poker gibt es zahlreiche Varianten. Wir haben immer Texas Holdem gespielt. Die Grundregeln setze ich voraus. Wenn du sie nicht kennst findest du bestimmt zig Seiten oder Videos, die sie besser erklären, als ich das könnte.

Beginnen wir mit ein paar Tipps.

Tipp Nr. 1: Nicht alle Werte der Pokerchips verwenden

Als wir mit dem Pokerspielen angefangen haben, gab es massenhaft Angebote für Chips mit Werten von $1 bis $10.000. Oder war sogar $100.000 der höchste Wert?

Wenn du Chips mit dem Wert $10.000 hast, ist $1 so weit davon entfernt, dass diese Chips praktisch nichts wert sind. Es ist zwar irgendwie schön, viele Chips auf dem Tisch liegen zu haben. Aber bei einer Pokerpartie, wie wir sie immer spielen, braucht man die alle nicht. Sie nehmen nur Platz weg.

Darum solltet ihr zu Beginn überlegen, in welchem Spektrum ihr spielen möchtet und euch vielleicht auf drei bis vier Werte beschränken, die dann aber auch gebraucht werden.

Tipp Nr. 2: Nicht alle Chips austeilen

Öffnet Ihr den Koffer mit dem Pokerchips und verteilt sie dann alle gleichmäßig an die Spieler? Sicher hat so jeder angefangen. Diese Methode macht allerdings keinen Sinn. Ihr habt damit wahrscheinlich viel zu viele Chips auf dem Tisch. Viele davon haben so hohe Werte, dass die niedrigsten Chips eigentlich nur Müll sind.

Besser ist es, wenn jeder zu Beginn einen bestimmten Betrag an Chips erhält. Ungeübt erfordert das etwas Disziplin und erzeugt das Gefühl, der Spielspaß würde dadurch sinken. Das Gegenteil ist aber der Fall. Nur wenn die Kohle knapp ist, könnt ihr wirklich darum spielen. Sonst bietet ihr nämlich einfach je nach Blatt eine Handvoll Chips, ohne einen Bezug zu eurem Stack (euer Geld) zu haben.

Eine Orientierung könnte sein: Jeder erhält das 500-fache vom Small-Blind. Beginnt ihr mit einem Small-Blind von $1, würde jeder Chips im Wert von $500 erhalten. Beträgt der Small-Blind $5, bekommt jeder $2.500.

Da auch wir nur Menschen sind, spielen wir meistens mit einem Small-Blind von $1 und jeder erhält $600. Dann hat jeder noch eine eiserne Reserve :)

Tipp Nr. 3: Empfehlenswerte Stückelung der Pokerchips

Wir hatten zu Beginn den Fehler gemacht, eine völlig falsche Stückelung zu verwenden. Wenn wir fünf Farben von Chips hatten, gaben wir ihnen die Werte $5/$10/$20/$50 und $100. Sicher sind wir damit nicht die Einzigen.

Problem bei einer solchen Aufteilung: Jeder hat einen undefinierbaren Stapel an Chips vor sich liegen. Wer hat eigentlich gerade am meisten Geld und wer am wenigsten? Kann man das bei einer solchen Stückelung einfach ablesen? Nein. Darum ist eine solche Aufteilung nicht empfehlenswert.

Besser sind Werte, die jeweils den vier- oder fünffachen Wert des darunterliegenden Chips ausmachen.

Wir verwenden die Stückelung $1/$5/$25/($100). Funktionieren würde auch $5/$25/$100/($500), wobei man die eingeklammerten Werte eigentlich auch weglassen kann, weil sie schon viel zu hoch sind. Darüber würde ich nicht gehen, weil es keinen $2000-Chip gibt. Und sowohl $25/$100/$500/$1000 als auch $100/$500/$1000/$5000 haben diesen zu kleinen Sprung von $500 zu $1000.

Bei uns erhält jeder meistens $600 zu Beginn des Spiels. Die teilen wir folgendermaßen auf:

  • 15 x $1 (=$15)
  • 17 x $5 (=$85)
  • 16 x $25 (=$400)
  • 1 x $100 (=$100)
  • Gesamtbetrag: $600

Probleme und Eckdaten zum Pokern mit Freunden

Pokern mit Freunden ist echt schwierig – zumindest wenn man so wie ich gestrickt ist. Zwei Dinge möchte ich nämlich nicht.

  1. Ich möchte Gäste, die beim Pokern rausgeflogen sind, nicht nach Hause schicken müssen. Schließlich sind es meine Gäste.
  2. Ich möchte nicht, dass meine Gäste bei mir Geld verlieren.

Beides zu kombinieren, gestaltet sich schwieriger als es aussieht. Denn beim Pokern gibt es zunächst mal zwei grundsätzliche Spielarten: Das Turniergame und das Cashgame. Wie unterscheiden sich die beiden?

Problem Nr. 1: Das Turniergame

Beim Texas Holem gibt es zwei Spieler, die in jedem Fall (blind) Einsätze machen müssen: Der Small-Blind und der Big-Blind.

Beim Turniergame werden diese Blind-EInsätze während des Abends stetig erhöht. Zu Beginn ist der Einsatz eher ein Trinkgeld, später werden dadurch einzelne Spieler gezwungen, höher zu bieten. Das hat den Nebeneffekt, dass das Spielen für alle am Tisch teurer wird.

Wer nicht vorher schon durch schlechtes Spiel oder Pech pleite ist und rausfliegt, gerät später durch die hohen Blinds unter Druck. Sind alle bis auf einen rausgeflogen, ist er der Sieger des Abends. Soweit sind die Regeln einfach.

Problematisch ist für mich dabei, was ich mit den rausgeflogenen Gästen machen soll. Sicher, wenn ich mich zu einem Pokerturnier treffe, sind alle darauf eingestellt, dass sie nach Hause gehen können, wenn sie pleite sind. Ich veranstalte zu Hause aber kein Pokerturnier, sondern möchte mich mit meinen Freunden amüsieren. Was sollen die nun tun? Sich an den Tisch setzen und noch stundenlang zusehen? Das halte ich für keine gute Lösung.

Macht vielleicht das Cashgame mehr Sinn?

Problem Nr. 2: Das Cashgame

Beim Cashgame geht es um Geld. Und genau das ist mein Problem dabei.

Ich lese im Internet immer wieder von Gruppen, bei denen jeder zu Beginn des Abends 50 Euro auf den Tisch legt. Dann wird den Abend lang gespielt und der Gewinner kriegt den kompletten Betrag. Wenn jemand während des Spiels keine Chips mehr hat, kann er sich neue Chips für richtiges Geld kaufen.

So muss zwar niemand vorzeitig nach Hause gehen, ich habe damit aber gleich mehrere Probleme:

  1. Ich möchte nicht, dass jemand bei mir zu Hause einen nennenswerten Geldbetrag verliert. Punkt.
  2. Es passiert schnell, dass jemand beim Geben oder Aufdecken einen Fehler macht. Und dann? Wenn es um richtiges Geld geht, kommt es dann zu Streitereinen, die ich nicht haben möchte.

Das Cashgame ist also auch keine Lösung für mich.

Problem Nr. 3: Pokern ohne Geld?

Kann man nicht einfach ohne Geld spielen? Kann man. Man könnte zum Beispiel vereinbaren, so lange zu spielen bis der erste rausfliegt. Klingt nach einer Lösung, ist es aber nicht. Denn es kommt dann immer wieder zur gleichen Situation:

Für einige Spieler läuft der Abend super und sie horten Chips. Andere ringen mit der Pleite. Und genau die verlieren stetig die Lust am Weiterspielen. Irgendwann setzen sie alles und meistens verlieren sie es dann auch. Das Spiel ist vorbei. Prima. Der Abend ist ja noch jung. Also schnell ein anerkennendes Wort an den Sieger und die Chips neu aufgeteilt für ein neues Spiel.

Wenn die Verlierer es in der Hand haben, das Spiel zu beenden, tun sie es auch. Und offen gestanden wäre auch im echten, harten Pokerrleben ein Bluff oder eine riskante Spielweise die einzige Chance, das Ruder wieder herumzureißen. Man kann es ihnen also nicht einmal verübeln. Für die Sieger aber fühlt es sich einfach blöd an, wenn die Gegner einfach ohne zu kämpfen aufgeben und ein Spiel viel zu früh endet.

Was kann man dagegen tun?

Unsere Regeln fürs Pokern zu Hause

Wir haben aus den Pokerregeln einen eigenen Mix erstellt, der gut funktioniert und niemanden überfordert.

Regel Nr. 1: Ohne Geld geht es nicht

Beträge von einem oder zwei Euro sind jedem zuzumuten, um sich einzukaufen. Man kann sich auch darauf einigen, dass jeder etwas mitbringt (Getränke, Knabberzeugs), um seine Startchips von $600 zu erhalten.

Wenn jemand pleite ist, oder das Geld so knapp wird, dass das Spiel keinen Spaß mehr macht, kann er neue Chips kaufen. Bei uns gibts für 2 Euro Chips im Wert von $500.

Geld kommt in eine Kaffeekasse die gelegentlich geschlachtet wird. Davon kann man dann z. B. Pizza für alle kaufen. Geldbeträge gewinnt niemand.

Wir haben festgestellt, dass so auch die Verlierer am Ball bleiben und die Lust nicht verlieren. Zwei Euro tun zwar niemandem weh, aber sie genügen, um nicht einfach aufzugeben und sich anzustrengen.

Und was macht man bei Kindern? Wenn Kinder am Tisch sitzen, ist doch eh alles chaotischer und es wird sehr viel geboten ohne nachzudenken. Dann muss man eben ein Lied singen oder sich zu kleinen Aufgaben im Haushalt verpflichten. Bei uns haben Kinder auch immer ein paar Hunderter mehr zu Beginn als Startchips erhalten.

Regel Nr. 2: Wer gewinnt den Abend?

Wir spielen kein Turniergame, bei dem die Blinds steigen und im Lauf des Abends alle bis auf einen rausfliegen. Wir spielen aber auch nicht auf Zeit. Niemand hat Lust, um 23 Uhr einen spannenden Abend zu beenden, nur weil man sich auf diese Zeit zur Abrechnung verständigt hat. Ein solches Zeitlimit fühlt sich meistens blöd an, es sei denn, jemand muss wirklich gehen.

Bei uns hat es sich bewährt, einen Betrag auszumachen, ab dem man gewonnen hat. Ab 4 Spielern ist das bei uns die Hälfte der zu Beginn ausgegebenen Chips.

Beispiel:
Spielen wir mit 5 Spielern und jeder erhält zu Beginn $600, dann wurden Chips für $3.000 ausgegeben. Also liegt die Gewinngrenze bei $1.500. Sobald jemand diesen Betrag erreicht, hat er gewonnen. Gewöhnlich ist der Abend dann auch schon fortgeschritten. Sollte zwischendrin jemand Chips nachkaufen, erhöht dies die $1.500-Grenze nicht, führt aber dazu, dass sie schneller erreicht wird.

Regel Nr. 3: Small-Blind, Big-Blind

Bei uns bleiben die Blinds niedrig. Steigende Blinds sind zwar irgendwie fancy, aber sie benachteiligen die schlechteren Spieler und beschleunigen, dass jemand rausfliegt.

Wir spielen darum regelmäßig mit einem Small-Blind von $1 und einem Big-Blind von 2$. Diese Werte bleiben den ganzen Abend über gleich. Es sei denn, dass es spät wird, ein Sieger noch nicht feststeht und alle den Abend beenden möchten. Dann spielen auch wir gegen Ende mal mit steigenden Blinds.

Im umgekehrten Fall, dass ein Spiel zu früh endet, aber alle noch ein Stündchen spielen möchten, machen wir manchmal auch nochmal eins mit steigenden Blinds.

Aber generell kann man sagen: Bei uns steigen Small- und Big-Blind während des Spiels nicht. Um trotzdem eine kleine Variation in die Blinds zu bringen, greifen wir aber auf etwas anderes zurück …

Regel Nr. 4: Der Kill-Blind

Um trotz gleichbleibender Small- und Big-Blinds eine kleine Variation in den Blinds zu haben, haben wir uns aber auf einen Kill-Blind verständigt. Der Sinn des Kill-Blinds ist eigentlich, dass jemand, der gerade viel gewonnen hat, einen gewissen Betrag davon wieder ins Risiko stellen muss, sodass ihn die anderen zurückgewinnen können.

Wenn jemand bei uns mehr als $100 gewinnt, muss er in der folgenden Runde je $5 Kill-Blind für jede gewonnene volle $100 bieten. So lässt sich der Kill-Blind schnell ermitteln, ohne lange zählen zu müssen.

Hat jemand also gerade $250 gewonnen, bietet er in der nächsten Runde $10 als Kill-Blind. Das tut er vor Beginn des Spiels, wenn auch Small- und Big-Blind gesetzt werden.

Das war es auch schon. Ich hoffe, ich konnte euch ein paar inspirierende Ideen vermitteln.


Ich danke mich herzlich für das Bild von 2396521 auf Pixabay.

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