Mountain Duck – ein Erfahrungsbericht

Meine Erfahrungen mit Mountain Duck waren nicht besonders gut. Also quasi eher schlecht. Oder sollte ich sagen … ach, egal.

Mountain Duck – eine Vollkatastrophe

Ente mit Schnabel unter Wasser

Es wird demnächst auch wieder einmal etwas Positives geben. Meine Negativbeiträge kommen allesamt aus der Ecke: Wie verwalte ich meine digitale Ablage. Und nach Devonthink trifft es jetzt auch Mountain Duck.

Mein Votum: Unbenutzbar, es sei denn, man möchte gern Daten verlieren. Es ist mir rätselhaft, wie man eine solche Software, ohne Hinweis, dass sie noch im Alpha-Stadium ist, ernsthaft zum Kauf anbieten kann. Und das auch noch in der Version 4 (!)

Mountain Duck – die Idee

Ja, die Idee ist super. Mountain Duck ist ein Mac-Programm, das externe Laufwerke in den Finder einbinden kann. Egal, ob Dropbox, OneDrive, selbst mein Webspace ist wie ein Verzeichnis per FTP erreichbar. Soweit die Theorie.

Mountain Duck und Cryptomator – ein Team?

Mein Ziel war nun, meine Digitale Ablage verschlüsselt in der Cloud zu verwalten. Digitale Ablage, das sind Rechnungen, Steuerunterlagen, Private Krankenversicherungen, Garantiebelege. Außerdem schreibe ich seit einigen Jahren hobbymäßig. Darunter sind auch ein paar persönliche Dinge, die ich evtl. irgendwann veröffentliche oder auch nicht. Bis dahin muss sie nicht unbedingt jemand lesen können.

Ich war langjähriger (relativ zufriedener) Nutzer von Boxcryptor. Vor einigen Jahren begann diese Software allerdings für eine Weile zu spinnen und unendlich Leistung zu ziehen. Das ist behoben, aber die Erfahrungen machten mich offen für etwas Neues: Cryptomator.

Cryptomator als Alternative für Boxcryptor

Cryptomator macht einen ähnlichen Job wie Boxcryptor, kommt aber aus der gleichen Softwareschmiede wie Cyberduck. Und so entstand als Mischung aus Cryptomator und Cyberduck: Mountain Duck.

Wer Boxcryptor mit seiner Dropbox verbindet, kennt die Besonderheiten. Jede Boxcryptor-Datei findet sich genauso in der Dropbox. Wenn ich also eine Verzeichnisstruktur habe, wird diese Verzeichnisstruktur auch bei aktivierter Dateinamenverschlüsselung 1:1 in der Dropbox gespiegelt. Möchte ich eine Datei nur online verwalten, oder lokal halten – kein Problem. Per Rechtsklick zeigt mir Boxcryptor die Position in der Dropbox. Dort ist der Dateiname zwar unlesbar, aber man kann über die normale Menüführung alles so einstellen, wie man es gern hätte.

Cryptomator verschlüsselt die Dateinamen zwar nicht mit ansprechenden chinesischen Schriftzeichen. Dafür geht es aber einen Schritt weiter als Boxcryptor und verschleiert auch die Verzeichnisstruktur. Das bedeutet: Rechtsklick und Datei in der Dropbox anzeigen lassen geht nicht so einfach. Und auch beim Speichern, scheint es sich so zu verhalten, dass sich Cryptomator gelegentlich für eine neu zu speichernde Dateiversion auch eine neue Position innerhalb seiner eigenen Verzeichnisstruktur sucht.

Was erst einmal nach einem Vorteil oder größerer Sicherheit aussieht, hat seinen Preis. Während Boxcryptor einem die Möglichkeit gibt, die Einstellungen seiner Dropbox zu nutzen, um Dateien nur online oder lokal auf der Festplatte zu halten, ist das bei Cryptomator nicht möglich. Man weiß ja gar nicht, wo sich die Datei innerhalb der verschleierten Verzeichnisstruktur befindet. Und noch weniger weiß man, ob sie dort nach dem nächsten Speichern immer noch sein wird.

Es ist also ein weiteres Programm nötig, wenn man hier gern eingreifen will.

Mountain Duck mit eingebautem Cryptomator

Mountain Duck, das sind zwei Programme in einem. Das eigentliche Mountain Duck kümmert sich um die Einbindung des Cloud-Services in den Finder. Es tut also das, was auch die normale Dropbox tut, nur über die Grenzen mehrerer Anbieter hinaus.

Außerdem hat es den Cryptomator mit unter der Haube. Trifft also die Bergente auf einen verschlüsselten Datentresor, wirft sie den Cryptomator an und bietet Zugriff auf die verschlüsselten Daten.

Soweit der Plan, der bis hierhin noch gut klingt. Beschäftigen wir uns mit der Wirklichkeit.

Mountain Duck – buggy bis zum Anschlag

Meine Sync-Probleme mit Devonthink traten nicht immer auf. Sie waren plötzlich da, bleiben dann auch, aber auf Kommando erzeugen konnte ich eine solche Situation nicht. Dies ist bei Mountain Duck anders. Und wenn man ein wenig im Netz sucht, findet man auch genügend Meldungen von anderen. Mountain Duck hat gleich mehrere Probleme.

Problem Nr. 1: Mehrere Dateien hochladen schlägt fehl

Was für eine tolle Idee. Da binde ich gleich mal meinen Webspace per FTP ein. Und tatsächlich, ich habe Zugriff wie auf ein normales Verzeichnis im Finder. Schnell ein Update eines Tools hochgeladen – vielleicht zwanzig, dreißig Textdateien. Und … Abbruch. Irgendein sonderbarer Fehler.

Neuer Versuch. Wieder Abbruch.

Neuer Versuch. Wieder Abbruch – übrigens immer an anderen Stellen.

Also wähle ich jedes Unterverzeichnis einzeln aus und schiebe es rüber. Das geht – solange in einem Verzeichnis nicht zu viele Dateien sind. Fazit: Bei FTP erlebe ich die Vollkatastrophe. Bei anderen Diensten gibt es solche Probleme nicht immer. Aber viele Dateien auf einmal hochladen – das mag die Ente offenbar nicht.

Problem Nr. 2: Große Dateien

Nun kommt die Ober-Vollkatastrophe. Ich arbeite gerade an ein paar Collagen der Familie in Photoshop und an ein paar zusammengeschnitten Videos in Screenflow. Diese Dateien sind zugegebenermaßen groß. Da kommen schnell Dateien von ein paar Gigabyte zusammen.

Was macht Mountain Duck damit? Es lädt sie hoch. Die Systemauslastung behandeln wir mal bei als Problem 3. Was die Bergente hier aber veranstaltet ist die absolute Totalkatastrophe. Es lädt eine Datei auf einen Cloud-Service – bei mir war es die OneDrive und die Dropbox. Sobald der Upload vollständig durchgeführt worden ist, sieht man sie im Finder auf der anderen Seite.

Alles sieht also gut aus. Und zwar genauso lange, bis man die Datei wieder öffnen will. Plötzlich schrumpft eine 4GB-Datei auf 253MB. Klickt man darauf, warnt das öffnende Programm und zeigt … nichts.

Mountain Duck lädt Dateien hoch, tut so, als seien sie vollständig übertragen und korrigiert erst beim nächsten Öffnen die Dateigröße. Bei mir aufgetreten an mehreren Rechnern. Ich kann das Problem auch jederzeit nachstellen.

Besonders häufig tritt das Problem auf, wenn man eine Datei bearbeitet, die online gehalten werden soll.

Problem Nr. 3: Systemauslastung bis zum Anschlag

Immer wieder lastet Mountain Duck das System voll aus. Der Finder hängt, der Lüfter springt an. Selbst das Aufrufen von Internetseiten funktioniert nicht mehr. Offenbar saugt die Ente allen Saft aus meiner 200Mbit-Leitung. Ja, man kann die Bandbreite begrenzen. Dann kann man wieder surfen – vorausgesetzt man braucht den Finder nicht, denn der …

Problem Nr. 4: Der Finder hängt

Ich habe noch nie so oft meinen Finder neu gestartet, wie in den letzten Wochen, während ich mit Mountain Duck herumexperimentiert habe. Der Finder friert einfach ein. Möglicherweise tut er etwas im Hintergrund. Es gibt allerdings ein natürliches Limit, das man bereit ist zu warten, bis man den Finder abschießt oder seinen Rechnen ausschaltet und neu startet.

Wenn der Finder hängt, gehen auch andere Programme nicht. Möchte man bspw. nebenbei mit Photoshop arbeiten (irgendwo lokal, sodass Mountain Duck damit nichts zu tun hat), stellt man fest, dass der hängende Finder im Prinzip jede Dateioperation blockiert.

Mein Fazit zu Mountain Duck

Diese Software ist nicht ausgereift. Alle Rechte waren vergeben. Die Einstellungsmöglichkeiten sind so spärlich, dass ich Bedienfehler ausschließen kann.

Die Idee von Mountain Duck ist toll. Aber allein die Versionsnummer 4.9.2. deutet doch schon darauf hin, dass die Entwickler es scheinbar nicht hinkriegen. Wie kommt man denn darauf, eine Version 4 zu veröffentlichen, wenn ein Programm so buggy läuft. Und was sagt uns 4.9? Scheinbar gab es schon so einige Updates. Wir reden also nicht einmal von einer neuen Version 4.0 oder so.

Wie alle negativen Dinge, hat aber auch diese Sache etwas Gutes. Mit der Entscheidung gegen Mountain Duck fiel auch die Entscheidung gegen Cryptomator-Verschlüsselung. Da Devonthink wegen Sync-Problemen ebenfalls als unzuverlässig ausfällt, habe ich wieder ein Abo hervorgekramt, das seit über einem Jahr ungenutzt vor sich hindümpelte: das von Boxcryptor. Es sieht aus, als ob ich bei meinem endgültigen System für meine digitale Ablage endlich angekommen bin.

Also: Bye, bye, Cryptomator. Bye, bye Mountain Duck. Die Zeit mit euch beiden war eine Zumutung. Die Idee der genialen Finder-Einbindung werde ich vermissen. Den Ärger, den mir das eingebracht hat, aber nicht.

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 1 plus 3.

*)
Mit einem Sternchen markierte Eingabefelder müssen ausgefüllt werden.
Bei „Name” darf auch ein Pseudonym stehen. Weiteres in meinen Datenschutzhinweisen.
Kommentare sind zunächst unsichtbar und werden von einem Moderator gesichtet.