iCloud oder Dropbox – was ist besser?

Man muss im Leben so viele Entscheidungen treffen … Nehme ich nun Apples iCloud oder doch besser die Dropbox?

iCloud gegen Dropbox

Wolken mit Sonne und Mond

Für welchen Cloud-Service entscheide ich mich als Mac-User. Verwende ich die appleseitige iCloud. Oder nehme ich die Dropbox – vielleicht auch, weil ich die schon immer verwendet habe.

Wie viele andere hatte ich diese Frage auch für mich zu beantworten. Und hier führe ich auf, aus welchen Gründen ich mich für welche Lösung entschieden habe.

Disziplin 1: Einbindung ins Apple-System

Die iCloud hat innerhalb Apples Welt natürlich einen großen Vorteil: Alles ist miteinander vernetzt und koppelt sich selbstverständlich aneinander.

Fotos, die ich auf dem iPhone schieße, wandern automatisch in die Cloud und poppen dann auf meinem Mac und meinem iPad in der Fotos-App auf. Natürlich geht das nur, wenn man kostenpflichtig mehr als die 5 GB geschenkten Cloud-Speicher nutzt.

Auch die Dropbox bietet an, Fotos und Videos direkt in hochzuladen. Aber so schön wie die iCloud schafft sie das nicht.

Außerdem bietet die iCloud die Möglichkeit, seine Dokumente-Ordner und seinen Schreibtisch direkt mit der iCloud zu synchronisieren. Das hatte ich nach ein wenig Überlegen aktiviert, aber je länger ich damit arbeite, desto mehr nervt es mich. Ich werde das also wieder zurückschalten. Das will aber wohl überlegt und vorbereitet sein, damit keine Daten verloren gehen.

Disziplin 2: Familiennutzung

Den Speicher meines iCloud-Abos kann ich für meine Familie freigeben. Die iCloud splittet das automatisch. Hast du also für 9,99 Euro die 2 TB gekauft, können alle zusammen diese 2 TB auf den Kopf hauen.

Du musst dich um nichts weiter kümmern. Und natürlich sind die Konten voneinander getrennt. Niemand kann auf die Dateien des anderen zugreifen, es sei denn, man gibt sie entsprechend frei.

Dies war für mich ein Kriterium, weswegen ich die Dropbox verlassen hatte. Inzwischen sehe ich – die Dropbox hat nachgelegt, aber das Familienkonto kostet dort 16,99 Euro pro Monat. Es ist also teurer. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Disziplin 3: Zuverlässigkeit

Das wird nun einige überraschen. Der Punkt geht an die Dropbox.

Über Jahre hinweg hat meine Dropbox immer schnell, einfach und zuverlässig funktioniert. Nur selten gab es Probleme mit »normalen« Dateien.

Sicher, ein Video oder eine große Photoshop-Datei braucht halt Zeit, um hoch- und wieder heruntergeladen zu werden. Bei solchen Dateien achtet man darauf natürlich.

Textdateien allerdings (HTML, PHP, aber auch Briefe oder mein Romantext) sind blitzschnell übertragen und genauso schnell auf allen Rechnern verfügbar.

Die iCloud kommt da nicht mit. Die stellt sich auch mal tot oder verhält sich zickig. Ich hatte selten, aber mehrfach die Situation, dass ich eine Datei erstellen musste, damit die iCloud zu synchronisieren begann. Das ist unschön und hier ist die Dropbox einfach das Maß aller Dinge – jedenfalls für mich.

Disziplin 4: Synchronisierungskonflikte

Du öffnest eine Datei auf Rechner 1, bearbeitest sie und öffnest sie dann auf Rechner 2, bevor sie dort aktualisiert wurde. Nun arbeitest du auf Rechner 2 mit einer Datei, die auf einem alten Stand ist und änderst Dinge, die nun aber wieder Rechner 1 noch nicht hat. Dies ist ein Sync-Konflikt und kommt gelegentlich vor.

Die Dropbox handelt solche Konflikte sehr einfach. Sie benennt einfach eine der beiden Dateien so, dass aus dem Dateinamen der Sync-Konflikt hervorgeht. Alles andere liegt dann an dir. Du bist ja auch der Einzige, der weiß, wie man das Chaos wieder bereinigt.

Die iCloud lässt plötzlich ein Fensterchen aufpoppen. Du sollst dich dann entscheiden, welche Datei du behalten willst. Ja, aber Moment – das kannst du doch gar nicht so schnell entscheiden. Tatsächlich könnte man auch beide Dateien behalten. Das ging im Stress bei mir aber unter. So entschied ich mich bei zugegebenen unwichtigeren Dateien einige Male für die falsche und merkte das erst, als die richtige schon weg war. Später hatte ich dann ein paarmal beide behalten wollen. Das wollte aber die iCloud nicht. Ich konnte also beide Dateien auswählen, aber das nahm die iCloud nicht an.

Interessanterweise gab es solche Sync-Konflikte auf der Dropbox viel seltener. Warum? Weil die Dropbox viel schneller synct als die iCloud. Ich hatte die Dropbox seit gefühlten tausend Jahren im Einsatz und nun ein halbes Jahr die iCloud verwendet. Das ist nicht nur ein Eindruck.

Disziplin 5: Gelöschte Dateien wiederherstellen

Konnte früher nur die Dropbox. Nun kann es auch die iCloud.

Disziplin 6: Menüführung

Eigentlich ist Apple ja dafür bekannt, alles besonders einfach und intuitiv zu machen. Nun gut. Als Mac-User kann ich sagen, dass das auch nicht immer stimmt.

Die iCloud wirkt ein wenig wie ein alter iPod: Kaum Knöpfe dran, die man drücken kann. Alles ganz minimalistisch. Man wünscht sich manchmal aber schon etwas mehr.

Statusanzeige der Datei

Was mich besonders nervt, ist die Anzeige, ob eine Datei lokal auf der Festplatte liegt oder nur online gehalten wird und vor Bearbeitung zuerst heruntergeladen werden muss.

  • Hat die Datei ein Wölkchen-Symbol, bedeutet dies: die Datei ist bereits auf der eigenen Festplatte (Hä?!)
  • Hat die Datei ein Wölkchen-Symbol mit einem Pfeil nach unten, bedeutet dies, dass die Datei zuerst heruntergeladen werden muss.
  • Und hat die Datei gar kein Symbol – was dann? Hab gerade geschaut, tatsächlich haben einige Dateien kein Symbol.

Also um es kurz zu machen. Diese Symbolik nervt mich. Nach einem halben Jahr habe ich mich noch nicht daran gewöhnt. Wie schön macht es da die Dropbox. Die Symbolik ist sofort verständlich und man fragt sich eigentlich nie, was für welchen Status steht.

Datei auf Festplatte halten oder in die Cloud auslagern

Nicht nur die Statusanzeige macht die Dropbox besser. Auch das Wording der Menüpunkte zur Steuerung, ob eine Datei nun in die Cloud ausgelagert werden soll oder nicht, ist bei der Dropbox deutlich besser gelöst.

Dropbox

Rechtsklick auf die Datei. Unter Smart Sync gibt es dann die Einstellung »lokal« und »nur online«. Das ist super-intuitiv und lässt keine Fragen offen.

iCloud

Ist eine Datei auf der Festplatte vorhanden und ich möchte, dass sie nur in der Cloud verfügbar ist, klicke ich rechts. Dann wähle ich »Download entfernen«. Ich verstehe nur mit Nachdenken, was man sich dabei denkt.

Das Wort »entfernen« lese ich ohnehin nur ungern bei Dateien, die ich behalten möchte. Darum probiere ich damit auch nicht herum. Ich musste mich im Internet erkundigen, wie man nun das erreicht, was bei der Dropbox einfach »nur online« heißt.

Die korrespondierende Funktion ist zwar deutlicher, aber weit entfernt von »schön«. Ist eine Datei nur in der iCloud verfügbar und ich möchte sie auch auf der Festplatte verfügbar haben, klicke ich rechts und dann auf »Jetzt laden«.

Ja, natürlich. Nun wird die Datei heruntergeladen. Aber so denke ich nicht. Ich denke einfach: »Ich möchte, dass die Datei auf der Festplatte bleibt.« Die beiden Worte »Jetzt laden« erwecken in mir den Eindruck, dass ich damit keinen Dauerzustand erreiche.

Um es kurz zu machen: Die Apple-Menüführung zur iCloud nervt mich sehr. Das könnte von Symbolik und Wording sehr viel intuitiver sein.

Ladesymbol

Minimalistisch bietet die iCloud nur ein einziges Ladesymbol: eine Kuchengrafik, die anzeigt, wie weit die Synchronisierung fortgeschritten ist. Hat man größere Dateien, ist das gelegentlich sehr nervig.

Die Dropbox zeigt dagegen, wo sie gerade ist. Das mag nicht so schön minimalistisch sein. Aber es ist wirklich um Längen angenehmer.

Außerdem bietet mir die Dropbox die Möglichkeit, die Synchronisation auch mal zu pausieren. Es gibt Szenarien, da wünscht man sich das. Die iCloud synct einfach, wann sie will. Will man sie davon abhalten, muss man das WLAN abklemmen.

Disziplin 7: Automatisches Auslagern

Die iCloud bietet einen Rundherum-Service und räumt selbstständig auf dem Rechner herum. Wenn wenig Platz darauf ist, kann man (optional) die iCloud selbst entscheiden lassen, was sie denn in die Cloud auslagern will.

Unwichtigere Dateien (bzw. das, was die iCloud dafür hält) wandern dann in die Cloud.

Die Dropbox schein inzwischen etwas Ähnliches anzubieten. Das habe ich allerdings nicht getestet. Werde ich auch nicht.

Dieses automatische Aufräumen hat nämlich auch Schattenseiten. Es gibt nämlich Anwendungen, die sich über die Cloud synchronisieren. Alfred gehört bei mir dazu, KeyboardMaestro und auch Hazel. Als Alfred zum ersten Mal meckerte, dass die Sync-Datei nicht da wäre, dachte ich noch, es hätte ein Problem auf dem iMac gegeben. Nein. Die iCloud hatte einfach nur entschieden, dass die Sync-Datei online gehalten werden soll. Alfred startete und fand sie nicht. Wenn einem das niemand vorher sagt, nervt das sehr. Ich schaltete z. B. sofort unseren WLAN-Router aus und sicherte die entsprechende Datei auf meinem MacBook. Die spielte ich dann auf den iMac.

Erst als der Vorgang sich zum dritten Mal wiederholt hatte (innerhalb einiger Wochen), verstand ich dann, dass die Datei noch da war. Sie war eben in der Cloud und Alfred wollte hochfahren und ist es offenbar nicht gewöhnt, auf die iCloud zu warten.

Alles in allem kann ich sagen: Das automatische Auslagern in die iCloud habe ich wieder zurückgeschaltet. Ich entscheide lieber selbst.

Disziplin 8: Verschlüsselung

Daten in der iCloud liegen unverschlüsselt herum. Die Dropbox bietet die Möglichkeit, sogenannte Vaults einzurichten (Tresore). Ich hatte irgendwo gelesen, dass der Anbieter Dropbox trotzdem darauf zugreifen könnte. Ob das stimmt habe ich nie weiter überprüft, aber Vaults habe ich deswegen noch nicht verwendet.

Stattdessen habe ich langjährige Erfahrungen mit Boxcryptor und einige Wochen mit Cryptomator herumexperimentiert. Zu Boxcryptor und Cryptomator gibt es einen gesonderten Beitrag.

Hier gibt es einen deutlichen Unterschied, der aber nur zutage tritt, wenn man Dateien in die Cloud auslagert.

Dateien, die nicht auf der Festplatte gehalten werden, können sowohl von Boxcryptor als auch von Cryptomator (in Verbindung mit Mountain Duck – falls man sich das wirklich antun will) verschlüsselt verwaltet werden.

Bei der iCloud gibt es diese Option nicht, weil die iCloud keinem externen Anbieter den Zugriff auf deren Daten ermöglicht. Wenn eine Datei nicht auf der Festplatte liegt, ist sie für die Verschlüsselungs-Apps Boxcryptor und Cryptomator nicht vorhanden.

Das bedeutet: Diese Apps können nun auch keinen Download antriggern. Das führt zu sonderbaren Situationen. Beispiel:

Datei1 und Datei2 liegen in der iCloud. Datei2 ist nur online verfügbar. Im Finder sind beide Dateien zu sehen, nur halt mit unterschiedlichen Status-Symbolen.

Verwende ich nun die Verschlüsselungs-Apps, werden die Dateinamen verschleiert. Das bedeutet, ich kann im Finder nicht mehr sehen, was Datei1 und was Datei2 ist. Ich sehe nur kryptische Dateinamen.

Die richtigen Dateinamen würden mir nun die Verschlüsselungs-Apps zeigen. Für diese Apps ist aber die Datei2 nicht vorhanden.

Ich verliere also möglicherweise Daten. Nicht, weil sie nicht da wären, sondern, weil sie durch die Verschlüsselung quasi unsichtbar werden. In der unverschlüsselten iCloud erkenne ich sie nicht wegen dem vernebelten Dateinamen. Und in den Verschlüsselungs-Apps sehe ich sie gar nicht, weil sie nicht auf der Festplatte liegen.

Wer also mit Boxcryptor oder Cryptomator arbeiten möchte UND Dateien als reine Online-Dateien hält – verwendet lieber die Dropbox.

Fazit

Na, was werde ich wohl tun?

Ich mag die iCloud-Integration. Aber unser 2-TB-Abo für 9,99 Euro werde ich stutzen auf 200 GB zu 2,99 Euro. Die Dropbox findet wieder statt – in meinen Augen ist sie einfach unschlagbar.

Alle wichtigen Dateien habe ich in den letzten Tagen wieder in die Dropbox zurückverschoben. Die iCloud verwende ich, um die Apple-Vernetzung nutzen zu können. Alle wichtigen Dateien liegen in der Dropbox.

Ganz wichtige Dateien spiegele ich in der iCloud oder (ich trau es mich kaum zu schreiben) in der OneDrive. Wir haben dieses Office-365-Abo, aber die OneDrive nervte mich in der Vergangenheit. Sie war einfach schwerfällig und nervig. Es gab irgendetwas, das mich damals davon hat Abstand nehmen lassen. Leider weiß ich den genauen Grund nicht mehr, sonst hätte ich die OneDrive hier auch eingearbeitet. Ich halte es aber für falsch, hier Dinge zu beschreiben, die ich so nie erlebt habe. Darum kommt die OneDrive hier nicht vor. Ich werde aber parallel ein wenig damit herumprobieren.

Trotzdem – mein Favorit heißt Dropbox. In meinen Augen haben die allen anderen Anbietern auch heute noch etwas voraus. Auch dieser Beitrag ist nicht gesponsort.

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