Fantasy-Kulturen sprachlich sichtbar machen

Ich habe viel Zeit damit verbracht, meinen Fantasy-Völkern eingewisses sprachliches Eigenleben einzuhauchen. Hier einige Gedanken dazu.

Fantasy-Sprachunterschiede

Bild von https://unsplash.com/@cosmictimetraveler

Mit diesem Blogbeitrag verfolge ich zwei Ziele: Für die am Schreiben Interessierten, gibt es hier ein paar Anregungen, welche Anreden man für Fantasy-Völker verwenden könnte. Und falls mein eigener Fantasy-Roman dann doch irgendwann herauskommen sollte, finden die Rechtschreibungsgläubigen hier mein Regelwerk.

Mein eigener Roman, Sprachunterschiede und Rechtschreibung

Die Welt um Mooyan umfasst zehn Inseln bzw. Inselteile. Als ich mit dem Schreiben begann, machte ich mir viele Gedanken, wie man die unterschiedlichen Kulturen der Völker sichtbar machen könnte.

So entstand im Lauf der letzten sieben Jahre in meinem Kopf das, was ich hier einmal zu Papier bringen möchte. Denn wenn man damit anfängt, stellt man schnell fest: So einfach, wie es zunächst aussieht, ist es nicht.

Warum? Weil man plötzlich mit Rechtschreib-Varianten konfrontiert wird, die es bisher nicht gab. Das führt dazu, dass man innerhalb seiner Geschichte unterschiedliche Varianten verwendet. Und erst einige Zeit später versteht man, dass es Regeln geben muss.

Brainstorming für Sprachunterschiede

Was kann man in der Sprache alles berücksichtigen:

  1. Dialekte
  2. Veraltete oder besondere Worte
  3. Eine andere Grammatik
  4. Besondere Anreden.

Diskutieren wir kurz diese Punkte.

Dialekte

Das Blöde an Dialekten besteht darin, dass man sie kaum lesen kann. Ich bin BAP-Fan. Besonders in den Achtziger-Jahren las ich regelmäßig BAP-Texte. Das war mitunter sehr schwierig.

Einige Worte erkennt man nur schriftlich, versteht sie aber nicht, wenn sie gesprochen oder gesungen werden. Andere Worte erkennt man nur gesprochen, obwohl sie schriftlich völlig kryptisch aussehen. Und für einige Worte gilt beides – man versteht sie zunächst weder gesprochen noch schriftlich. Sie erschließen sich einem aus dem Kontext.

Mit Dialekten kann man in meinen Augen in einem Roman nicht arbeiten. Sie kugeln einem sofort das Gehirn aus, behindern den Lesefluss selbst für den Autor und nehmen einem schnell den Spaß an der Geschichte.

Veraltete oder besondere Worte

Wer in einer Suchmaschine nach veralteten Worten sucht, findet schnell einiges. Im Fantasybereich verwendet man gern solche Worte. Mir fiel beim Schreiben auf, dass ich diese Worte aber gern generell für alle verwende und nicht nur für einzelne Völker. Zum Beispiel

Lager statt Bett
töricht statt dumm
usw.

Grammatik

Wir alle kennen Yoda von Star Wars. Besser kann man es nicht machen. Problematisch ist daran, dass Yoda so einzigartig ist, dass man ihn nicht kopieren kann oder will.

Andere Sprachvarianten – insbesondere inspiriert durch typische Sprachfehler von Nicht-Muttersprachlern – klangen für mich beim Lesen immer Russisch oder Türkisch angehaucht.

Ich habe großen Respekt vor allen Leuten, die fremde Sprachen lernen. Besonders Deutsch. Darum möchte ich nicht falsch verstanden werden, wenn ich diese Varianten für mich ausgeschlossen habe, weil sie ein wenig dümmlich klingen.

Das Dümmliche kommt nicht durch die Sprachfehler – damit ich hier nicht missverstanden werde. Das dümmliche kommt durch dümmliches Proll-Gehabe, das damit verbunden wird und das ja einige Comedy-Gruppen reichlich ausgekostet haben.

Diese Comedy-Verwendung hat nun zur Folge, dass man bestimmte Sprachfehler mit einer bestimmten Art Mensch verbindet. Nun will ich allerdings in meinem Roman keinen türkischen Proll einbauen, sondern mein Volk sprachlich von einem anderen Volk abgrenzen.

Nach dem für mich naheliegenden Wortdreher in »Bin ich angeln gegangen«, hängt mein Gehirn automatisch ein »weißt du« an, auch wenn es nicht geschrieben steht. Eine bessere Lösung für Wortumstellungen habe ich nicht gefunden. So bin ich von grammatikalischen Umstellungen wieder abgekommen.

Besondere Anreden

Und damit sind wir bei den besonderen Anreden. Ich bin mit deren Einsatz in meiner Geschichte recht zufrieden. Dabei habe ich nicht etwa jedem Volk eine andere Anrede gegeben, sondern war durchaus sparsam damit.

Es entsteht dadurch ein Patchwork von kulturellen Unterschieden, das mir ganz gut gefällt. Was genau setze ich ein?

Das Fantasy-Ihr

Die zweite Person Plural ist in meinen Augen für Fantasy gesetzt. Das »Ihr« wird dabei großgeschrieben.

»Woher kommt Ihr?« (auch bei Einzelpersonen)
»Wie geht es Euch?«

Das Du

In meiner Geschichte verwende ich das Du (kleingeschrieben) für Leute, die sich näherstehen. Dazu gehört mein Liebespärchen Lasita und Riban. Aber auch die spätere Freundschaft meines Protagonisten Tana mit Riban.

Davon abgesehen sehen viele magisch begabte Personen auf alle anderen herab und duzen sie (kleingeschrieben).

»Kannst du mal rüberkommen?«
»Ist das dein Knüppel?«

Wenn jemand allerdings einer nahestehenden Person einen Brief schreibt, halte ich es so, wie man es heute bei besonderen Beziehungen auch tun würde. Hier schreibe ich das Du groß.

Lieber Riban,
Dein letzter Brief hat mich sehr glücklich gemacht. Wie ist es Dir ergangen?

Pluralis Majestatis

Die meisten meiner Herrscher nennen sich selbst »ich«. Nur König Somman verwendet den Pluralis Majestatis und sagt:

»Sprecht lauter, damit Wir Euch besser verstehen.«
»Gebt Uns Auskunft, wie lange es noch dauern wird.«

Da ein König etwas Besonderes ist, schreibe ich den Pluralis Majestatis groß.

Achtung, Ausnahme! Allerdings nur, wenn jemand sich damit nur selbst meint. Befindet sich der König in einer Gruppe von Menschen und schließt diese Gruppe ein, schreibe ich das »wir« klein.

»Kommt hierher, wo wir stehen.«	
»Lasst uns bald aufbrechen, denn es wird dunkel.«

Ob das nun logisch ist oder nicht, darüber lässt sich streiten. Nach langem Überlegen habe ich mich dazu entschieden, weil es logisch ist und man mit etwas Übung einem Satz genau ansieht, wer gemeint ist.

»Gebt Uns Auskunft« bedeutet: »Gebt mir Auskunft«
»Gebt uns Auskunft« bedeutet: »Gebt uns (der Gruppe) Auskunft.«

Das Er

König Yanhardt mit seiner gestelzten Art wurde für mich zum heimlichen Stimmungsaufheller. Bei keiner Person habe ich so viel geschmunzelt wie bei ihm. Denn in Oydar (gesprochen Ohdar) redet sich jeder in der ersten Person Singular an. Das klingt so.

»Was tut Er hier?«
»Drehe Sie sich um, sonst werden Wir Ihr Beine machen!«

Und damit sehen wir schon, dass Oydar etwas komplexer spricht. Denn nicht nur spricht man sich in der ersten Person Singular an, nein, mein adressiert sich selbst in der ersten Person Plural, also im Pluralis Majestatis.

In verständlichem Deutsch: Man redet von sich selbst als »Wir«. Dieses »Wir« schreibe ich groß.

»Gebe Er Uns dieses Buch.«
»Glaubt Er, Wir wären ein dummer König?«

Und wie oben beim Plurals Majestatis, gilt hier auch: ein großgeschriebenes Personalpronomen ist als »ich« zu interpretieren. Ist die Gruppe gemeint, wird es kleingeschrieben.

»Weise Er Uns den Weg« bedeutet: »Weise Er mir den Weg.«
»Weise Er uns den Weg« bedeutet: »Zeigt uns (der Gruppe) den Weg.«

Ehrenwert

Das Volk von Repin sollte ursprünglich eine Diktatur sein und Nordkorea-Sprech verwenden. Doch durch eine Laune der Natur wurde es zum fortschrittlichsten Volk meiner Geschichte.

Übrig blieb noch der asiatische Touch. Daher redet man sich dort mit »ehrenwert« an. Sie verwenden es aber auch, wenn sie über andere Leute sprechen.

»Der ehrenwerte König Yanhardt sprach davon, dass …«
»Wir grüßen Euch, ehrenwerter Tana!«

In meiner Geschichte kommt es zu einem großen Krieg (welche Überraschung). Weil einige magische Kriegerinnen sehr direkt kommunizieren und das höfliche »ehrenwert« dem entgegensteht, entschied ich mich für eine kulturelle Regel, dass im Krieg alle Höflichkeitsfloskeln zu unterbleiben haben.

Im Krieg spricht sich also jeder dort über alle Hierarchiestufen mit »du« an – natürlich kleingeschrieben. Diese Anrede wird auch gegenüber hochgestellten Menschen aus anderen Kulturen durchgehalten, wie König Yanhardt aus Oydar.

Fazit

Ich finde es wichtig, sich über sprachliche Besonderheiten Gedanken zu machen.

Dialekte und eine veränderte Grammatik haben sich für mich und meine konkrete Story als Irrwege herausgestellt.

Gut funktioniert haben allerdings veraltete Worte oder Formulierungen – auch wenn ich darauf hier kaum eingegangen bin. Und wirklich zufrieden bin ich mit einigen Farbtupfern in der Anrede der einzelnen Personengruppen oder Völker.

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