Der Mandalorian – ein Treffer

Wir Science-Fiction-Fans müssen schon leidensbereit sein. Was wurde nur aus Star Trek, was wurde aus Star Wars und aus Kampfstern Galactica. Aber es gibt Hoffnung – the Mandalorian.

Dankeschön für den Mandalorian

Helm mit dem Wort Danke

Diesen Blogartikel hier fand ich heute auf meinem Rechner. Er mag ein Jahr alt sein. Wahrscheinlich war meine Verzückung über diese Serie zu groß, um damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Endlich, endlich, endlich schaffte es mal eine Serie, an etwas Vergangenes anzuschließen, etwas Neues zu bringen – und natürlich auch noch gut zu sein. Was meine Lieblings-Science-Fictions betrifft, hab ich nämlich schon die eine oder andere Frustration hinter mir …

The Mandalorian

Liebe Science-Fiction-Freunde – wir müssen dringend reden. Aber diesmal über etwas Positives. Etwas so Positives, dass ich mich vor Begeisterung kaum vor der Tastatur halten kann.

Sind wir ehrlich zueinander. Alle, die die Achtzigerjahre miterlebt haben … Okay, ich formuliere vorsichtiger: Viele, die die Achtzigerjahre miterlebt haben, werden von diversen Neuauflagen »unserer« Filme enttäuscht sein.

Ich zähle mich zu den Star-Trek, wie auch zu den Star-Wars-Fans. Und gern nehme ich auch noch Kampfstern Galactica dazu, wenn auch mein persönlicher Eindruck davon ist, dass deren Filme aus den Siebzigern etwas schlechter gealtert sind, als die von Star Wars oder Star Trek.

Enterprise

Was mussten wir nicht alles über uns ergehen lassen. Es begann mit »Enterprise«. Ist es ein Wunder, dass die Serie abgesetzt wurde? Sicher – Star Trek war nie dafür bekannt, große Logiker unter den Autoren zu haben. Eigentlich hat jeder Film derartig große Logiklöcher, dass man eigentlich schreien müsste.

Aber nun gab es einen temporalen, kalten Krieg. Und statt aus DS9 zu lernen, das ja am Schluss wirklich richtig abgegangen ist, tuckern wir planlos durch den Weltraum. Ja, wir konnten uns daran freuen, dass es noch keinen Laser gab. Statt Traktorstrahl gab es einen Greifarm und beim Beamen bekamen noch alle Panik. Das war gut umgesetzt. Aber dass es niemanden mehr vom Hocker zieht, wenn man ohne übergeordnete Handlung durch den Weltraum fliegt – darauf hätte man kommen können.

Aber dann kam Staffel 3. Die war so richtig super. So hätte Enterprise etwas werden können. Aber die Staffel 4 riss auch Brent Spiner nicht mehr heraus. Ja. Schade, Enterprise. Dein Abgang war vorhersagbar.

Star Wars, Episode 1 – 3

Ich gehöre zu den Fans der ersten Stunde. Als damals Krieg der Sterne in die Kinos kam (so hieß Star Wars damals noch), hatte ich Angst, es könnte mir zu gruselig werden. So ging ich erst in die 2. Runde und hatte mit meinen Freunden einen Bodenplatz zu 6,50 DM im rammelvollen Kino, wo man alles nur verzerrt sehen konnte. Was für ein geiles Erlebnis.

Entsprechend wuschig waren wir alle, als zu Beginn der 2000er die neuen Filme rauskamen. War das Star Wars? Natürlich war es Star Wars. Aber es war nicht gut umgesetztes Star Wars.

George Lukas hat eine wirklich bemerkenswerte Geschichte geschrieben. Leider hat er dann aber die Handlung von mindestens sechs Folgen in drei Folgen hineingequetscht. Und so entstand etwas, das mir beim Schauen eigentlich mehr auf die Nerven geht, als Freude bereitet.

Ja, technisch sind Episode 1-3 toll umgesetzt. Ein gutes Beispiel dafür, dass Handlung und Technik zwei unterschiedliche Dinge sind. Ein Film lebt eben nicht davon, dass er so mit Handlung vollgepumpt wird, dass kein Platz mehr zur Entwicklung der Figuren bleibt. Und die special Effects – sie sind hier eine schöne Demonstration dafür, dass man mit tollen Effekten keine schlechte Handlung und Figurenentwicklung beheben kann.

Alles in allem waren diese Folgen ganz nett. Sie waren Star Wars. Aber irgendwie war genauso vieles bei ihnen gut, wie auch schlecht.

Star Trek

Aber wir haben Glück: Star Trek hat es auch noch einmal versucht.

Hey – die haben Vulkan in die Luft gesprengt. Was für ein idiotischer Quatsch. Wenn jemand Star Trek neu auflegen möchte und die Entwicklung von Jahrzehnten einfach in seinem ersten Film auf den Müll wirft, kann ich nur sagen: Du hast nicht verstanden, was es heißt, mit oder in so einer Serie zu leben.

Wenn ich Star Trek sehe, möchte ich meine bekannten Welten sehen oder neue eröffnet bekommen. Und da das Universum groß ist, wäre es eigentlich kein Problem, neue Welten zu eröffnen, ohne das Bestehende anzutasten (wenn man sich als Regisseur damit nicht beschäftigen will).

Auch die Idee, jetzt unbedingt die Zeitlinie eines Käptn Kirk neu aufziehen zu wollen: Warum macht man das, wenn nicht, weil man die »alten« Fans irgendwie vom Hocker reißen möchte.

Sorry, Leute. Aber alles, was da mit Käptn Kirk neu auf den Markt geworfen wurde, hat mich nur begrenzt angemacht. Ich habe wahrscheinlich alles auf DVD. Keinen der Filme habe ich mir wieder vollständig angesehen. Nein, es bliebt bei dem »Kinoerlebnis«.

Kampfstern Galactica

Ein weiblicher Starbuck? Tötet mich, aber ich fand, die Figur hat funktioniert. Wie auch die weibliche Präsidentin.

War das Kampfstern Galactica? Nein, irgendwie war das etwas anderes. Aber einige Ideen fand ich gut umgesetzt. Und doch gibt es da einen Schleier aus schlechten Effekten und irgendwie nerviger Handlung, die mich daran hindern, mir diese Folgen ein weiteres Mal anzusehen.

Vielleicht ist Kampfstern Galactica ein schlechtes Beispiel. Es soll ja jetzt auch wieder neu aufgelegt werden. Mal sehen, was das werden wird.

Ärgern wir uns lieber zusammen über:

Star Wars mit Disney

Nun sollen also Filme für die Fans gemacht werden. Und ich sage es offen. Mir stand fast das Wasser in den Augen, als ich Episode 7 sah. Alles war so vertraut und doch weiterentwickelt.

Ich kann mich nicht über allzuviel beschweren. Aber man hätte vielleicht doch mal eine andere Handlung verwenden sollen, als die von Episode 4 neu aufzuwärmen. Ist mir doch egal, dass der Ersatz-Todesstern einen anderen Namen bekommt und viel größer ist als der aus den Siebzigern. Er ist rund und sieht fast genauso aus.

Und die Dumpfbacke Kylo-Ren. Sorry jetzt.

Schön. Han Solo durfte endlich sterben. Das wollte er schon damals in den Achtzigern und George Lukas hat ihn nicht gelassen. War ‘ne Scheißidee von dir, lieber Harrison Ford. Ich fand dich nämlich gut. Damals 1977 gab es nämlich noch nicht die Special Effects von heute. Und ich kann sagen: Du, mit Mark Hamil und Carrie Fisher – ihr wart die Special Effects. Ihr wart supercool und niemand von euch hätte es verdient, von der Dumpfbacke Kylo abgestochen zu werden. Noch nicht einmal dann, wenn ihr es selbst unbedingt wollt.

Nun ist einige Zeit ins Land gegangen. Sicher – ich bin Vater geworden, was mein Leben verändert hat. Aber ich sage es euch offen: Auch wenn diese neuen Folgen von Star Wars nun wieder deutlich mehr an »mein« Krieg der Sterne von damals anknüpften – ich muss heute nicht mehr bei den ersten sein, die sich neue Star-Wars-Filme im Kino ansehen.

Wirklich toll umgesetzt fand ich den Film über Han Solo. Und selten habe ich mich so gelangweilt wie bei Rogue One.

Ihr seht, ich bin schwer zufriedenzustellen. Darum schauen wir nun noch mal nach Star Trek

Star Trek Discovery

Hey, Leute: Sporenantrieb. Für wie bescheuert haltet ihr mich?! Demnächst fällt euch noch ein, dass wildgewordene Raumwale die Erde bedrohen.

Ganz nett gemacht. Aber ich hab die Staffel 3 bis jetzt noch nicht durchgeschaut. Und wenn ich das nicht habe, gibt es dafür nur einen einzigen Grund. Aber reden wir schnell von etwas anderem. Reden wir von:

Picard

Was für ein unglaublich langatmiger Mist. Was für ein unglaublich dummer Picard. Dabei hätte es so schön werden können. Schaut man sich die Folgen an, ist alles voller Andeutungen.

Endlich ist jemand hingegangen und hat sich mal mit der Vergangenheit von Star Trek beschäftigt. In jeder zweiten Szene gibt es etwas, das einen mit dem guten Gefühl zurücklässt, dass man zu den wenigen Eingeweihten gehört, die gemachte Andeutungen verstehen. Leider erschöpft sich darin auch alles, was die Serie zu bieten hat.

Wie weit werde ich geschaut haben? Bis Folge 4 oder Folge 5? Sorry, aber für den Rest ist mir meine Lebenszeit zu kostbar. Eine Alkoholiker-Seven-Of-Nine? Ach, neee. Ist es so schwer, einfach mal etwas Neues zu machen, dabei das Alte stehenzulassen und sich dorthin vorzuwagen, wohin sich eben nur Star Trek vorgewagt hat: Dorthin, wo noch nie ein Mensch gewesen ist.

The Mandalorian

Ich habe nun bestimmt einiges vergessen. Aber ich denke, es ist rübergekommen, dass ich relativ frustriert über die Versuche bin, meinen alten Lieblingsserien neues Leben einzuhauchen. Und diesen Frust beendete nun eine Serie, von der mich schon der Name niemals angesprochen hat: The Mandalorian.

Nein, jetzt kommt keine Beschreibung der Handlung. Disney hat ja die Rechte an Star Wars gekauft. Ich hielt es immer für einen Fehler, sie denen zu überlassen, obwohl sie ihre Sache mit den neueren Folgen besser gemacht haben, als George Lukas mit Episode 1-3.

Ich hätte sicher nie Disney Plus abonniert. Meine Frau tat es, weil sie unserem Kleinen die Duck-Tales zeigen wollte. Und eines Fernsehabends erinnerte ich mich, dass es dort doch auch ‘ne neue Serie zu Star Wars geben soll.

Falls irgendjemand bis hierher gelesen haben sollte, ohne durchzudrehen: mein Urteil in ganz kurzen Worten: Absolut ober-empfehlenswert. Warum das?

Endlich ist nach so vielen Jahren mal jemand hingegangen und hat das gemacht, was ich mir schon so lange wünsche:

The Mandalorian ist voller Andeutungen. Wenn ihr seit den Siebzigern dabei seid, könnt ihr euch kaum halten vor bekannten Gegenständen, Rassen und Dingen. Alles ist Star Wars und doch: Bisher gabs nicht ein einziges Laserschwert. Okay, doch so etwas, das etwas anders aussah.

Ein Yoda-Baby gibt es zu retten. Kaum zu glauben, was für eine Panne-Idee. Aber diese Panne-Idee ist wirklich super umgesetzt. Auch die Boba-Fett-Uniform – endlich versteht man mal, was es damit so auf sich hat.

Und die Musik: Ja, es ist wieder Klassik. Aber wenn ihr sie euch anhört, werdet ihr kaum Anklänge zum guten alten Star-Wars-Sound finden.

Endlich entwickelt jemand einmal Star Wars weiter. Wir befinden uns noch im gleichen Universum. Und gerade sind wir auf Tatooine – also dort, wo alles begann. Wir haben Mos Isley gesehen, verbünden uns gerade mit den Tusken-Räubern und reiten auf ähnlichen gammeligen Gefährten, wie es einst schon Luke tat.

Wenn du ein Fan von Star Wars (und vielleicht auch Star Trek) bist und dir bisher ähnliche Dinge auf die Nerven gingen: Vielleicht wäre es an der Zeit, mal die Vorbehalte abzulegen, sich Disney Plus für nen Monat zu holen und dort mal reinzuschauen.

Gute Serien erkennen wir in meiner Familie immer daran, dass wir sie zusammen schauen. Also ich und Nastja. The Mandalorian ist so eine Serie. Vielen Dank an die Macher. Ihr habt eine wirklich tolle Arbeit geleistet, ihr habt in die richtigen Dinge investiert. Ihr habt tolle Charaktere geformt. Ihr verwendet Tricks, ohne auf Story zu verzichten. Ihr habt es geschafft, ein Star Wars zu zeigen, das bis jetzt fast ohne Laserschwerter auskommt und wo die Macht auch eigentlich nur angedeutet wird. Es macht Spaß, sich diesen Scheiß reinzuziehen. Macht weiter so. Ihr seid die Ersten, bei denen ich sagen würde: Ihr seid dabei, besser zu werden, als das Original. Und das, ohne das Original aufzugeben.

The Mandalorian ist das Beste, was ich seit den ersten Krieg-der-Sterne-Filmen an Science-Fiction gesehen habe. Macht genauso weiter. Ihr seid super. Ich bin nun am Beginn der Staffel 2 und kann es kaum erwarten.

Also Aufruf an alle Star-Wars-Fans: Disney Plus abonnieren (nein, dieser Beitrag ist nicht gesponsort) und Interesse zeigen, damit diese Geschichte weitergehen kann – ohne Todessterne, ohne Laserschwerter, ohne das typische Star-Wars-Intro, ohne die bekannte Star-Wars-Melodie.

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